Djamaâ el Djazaïr - Die neue Moschee von Algier: Ornamentik trifft Fassadentechnik

18.03.2010

Rund 95.000 Quadratmeter Natursteinfassade, das höchste Minarett der Welt und eine Kuppel mit 50 Metern Durchmesser, unter der sich 35.000 Menschen im Gebetssaal versammeln können: In der Bucht von Algier entsteht derzeit die drittgrößte Moschee der Welt. Der Komplex, der Platz für 120.000 Besucher täglich bieten soll, beeindruckt in vielerlei Hinsicht. Für die Fassadenplaner von DS-Plan ist das Projekt eine einzigartige Herausforderung. Sie unterstützen die Arbeitsgemeinschaft KSP Jürgen Engel Architekten mit Krebs und Kiefer Ingenieure, bei der Planung der Fassade. Neben der technischen Umsetzung machen historische, religiöse und gestalterische Aspekte die Aufgabe so besonders. So galt es beispielsweise Lösungen zu entwickeln, die es ermöglichen, traditionelle islamische Muster einzuarbeiten, ohne dabei den Zeitrahmen zu sprengen.

Das markanteste Bauwerk innerhalb des Moscheekomplexes in der algerischen Hauptstadt ist zweifelsohne das 264 Meter hohe Minarett. Gestalterischer Anspruch der Architekten ist es, die Fassade dieses Turms mit einer filigranen Ornamentik nach dem Vorbild traditioneller islamischer Muster zu versehen. Dabei soll der Turm dennoch solide wirken und den äußeren Einflüssen wie Erdbeben und dem extremen Klima Stand halten. Die traditionelle Fertigung einer Fassade aus Naturstein - so wie früher üblich mit Hammer und Meißel - würde jedoch mehrere Jahrzehnte dauern. Mit der Vereinigung von technischem Know-how und Elementen aus der traditionellen arabischen Architektur ist es gelungen, diese anspruchsvolle Aufgabe zu lösen.

Das Minarett: Faserbeton anstatt Hammer und Meißel
Die islamischen Ornamente werden mittels so genannten Moucharabieh-Elementen in die Fassade integriert. Dabei handelt es sich um dekorative Holzgitter aus dem arabischen Raum, die als Fenster zum Sonnenschutz, zur Belichtung und Belüftung der Räume und zur Wahrung der Privatsphäre eingesetzt werden. Damit die komplexe und detaillierte Gestaltung effizient und innerhalb der vorgesehenen Bauzeit umgesetzt werden kann, haben die Fassadentechniker von DS-Plan eine zeitgemäße Methode entwickelt: Die Moucharabieh werden aus gegossenem Faserbeton vorgefertigt - ein Material das Gewicht spart und gleichzeitig äußerst robust ist. Allein am Minarett kommen die kunstvoll gestalteten Platten auf einer Fassadenfläche von 7.300 Quadratmetern zum Einsatz. Insgesamt werden auf dem Areal 15.160 Quadratmeter davon verbaut.

Am Minarett werden die Moucharabieh-Elemente der 5,85 Meter geschosshohen, teilelementierten Doppelfassade im Abstand von einem Meter vor die Glasfassade außen vorgehängt. Der Abstand zwischen den vorgehängten Natursteinplatten an den vier symmetrisch angeordneten Betonkernen des Turmes beträgt bis zu achtzig Zentimeter. Die neuartige Fügung der Fassadenelemente und die speziell für eine Region mit Erdbebenrisiko entwickelten Unterkonstruktionen tragen diesen außergewöhnlichen Anforderungen an die Fassadenkonstruktion Rechnung. Die ästhetische Anforderung, also das Ausschmücken der Fassade mit den, nach exakten Vorgaben gestalteten, islamischen Moucharabieh, verbindet sich so mit modernster Technik.

Der Moscheekomplex: Naturstein in gewaltigen Dimensionen
Neben dem Faserbeton, den die Fassadenspezialisten von DS-Plan für das Minarett und für einzelne Gebäudeteile vorgesehen haben, kommt hauptsächlich Naturstein für die Fassade des Moscheekomplexes zum Einsatz - und zwar auf einer Fläche von insgesamt rund 95.000 Quadratmetern. Denn Ziel ist es, möglichst umfassend lokale und dauerhafte Materialien einzusetzen und auch, wenn möglich, mit ortsansässigen Firmen und einfachen Fachkräften zu arbeiten.
Eine Moschee dieser Dimension wird nur einmal pro Jahrtausend geplant. In dem gesamten Komplex, der im Auftrag der algerischen Regierung realisiert wird, entsteht eine Bruttogeschossfläche von circa 440.000 Quadratmetern. In das von weitem sichtbare Minarett sind ein Museum für islamische Geschichte, Skylobbies, ein Recherche-Zentrum sowie zwei Aussichtsplattformen integriert. Auf dem gesamten Areal befinden sich darüber hinaus der Gebetssaal, der zentrale Moscheepark, ein Kulturzentrum, eine Bibliothek, ein Internat und viele weitere Einrichtungen.

Der Gebetsaal: eine Kuppel in 70 Metern Höhe
Die Fassadentechniker von DS-Plan sind an sechs Gebäuden beteiligt und haben dabei stets die anspruchsvollen klimatischen Bedingungen, wie die relative Luftfeuchte, den hohen Salzgehalt in der Luft, den Wind und die hohen Temperaturen im Hinterkopf. Intensiv beschäftigen sich die Spezialisten auch mit dem Gebetssaal, der 35.000 Gläubige fassen wird. In der 70 Meter hohen Kuppel finden sich ebenfalls die traditionellen Moucharabieh-Elemente in bisher im arabischen Raum einzigartiger Weise wieder: Sie legen sich außerhalb der thermischen Hülle wie ein Gerippe über die Kuppel und haben die Anmutung eines außenliegenden Tragwerkes. Das Tragwerk selbst ist jedoch innenliegend. Im Inneren des Gebetssaals schafft das Sonnenlicht, das durch die Kuppel eindringt und mit Hilfe einer Spiegeltechnik umgelenkt werden kann, eine besondere Raumatmosphäre.

Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau des Komplexes, der östlich von der historischen Innenstadt Algiers liegt, begonnen werden. Aktuell beginnt das internationale Vergabeverfahren für einen Generalunternehmer.
 
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