Unesco-Welterbe Zollverein: Kreislauffähig in die Zukunft mit Cradle to Cradle

Einst galt Essen als größte Bergbauweltstadt Europas – und die Zeche Zollverein als eines der Zentren des Steinkohlereviers. Die letzten Kumpel schürften aber bereits 1986 in den 6200 Schächten unter Tage. Seit 2001 zählen Teile des Areals gemeinsam mit der benachbarten ehemaligen Kokerei Zollverein zum Unesco-Weltkulturerbe, durch die Transformation vom Industrie- zum Kultur- und Kreativstandort erblühen Zeche und Kokerei heute im neuen Glanz. Sie sind nicht nur ein Touristenmagnet, sondern auch Orte, an dem sich Kreativunternehmen etablieren.

Um alle nachbergbaulichen Aktivitäten und Aufgaben an einem neuen Standort auf Zollverein zusammenzuführen und zu bündeln, baut die RAG-Stiftung für sich und die RAG Aktiengesellschaft ein Büro- und Verwaltungsgebäude. Für die Projektentwicklung sind die RAG Montan Immobilien GmbH und Kölbl Kruse gemeinsam verantwortlich. DS-Plan begleitet das Vorhaben als Generalfachplaner, unterstützt den Bauherrn bei der Technischen Gebäudeausrüstung, der Tragwerksplanung, der Fassadentechnik und berät bei wichtigen Fragen der Nachhaltigkeit. Zu ihnen zählen das Energiedesign, die Green Building Zertifizierung und die Themen Bauphysik sowie Bauökologie. Dass die Projektgesellschaft „Im Welterbe 10“ schon vor der Entstehung des Gebäudes an einen späteren Rückbau dachte, hängt mit dem zentralen Prinzip zusammen, das hinter dem Projekt steht: Kreislauffähig soll der Neubau sein, ein Rohstofflager, ganz im Sinne von Cradle to Cradle, kurz: C2C.

Dessen wörtliche Übersetzung ins Deutsche lässt bereits ahnen, worum es geht: Von der Wiege zur Wiege, nicht mehr zur Bahre, soll es gehen. Urheber von C2C sind der deutsche Chemiker Prof. Michael Braungart und der US-amerikanische Architekt William McDonough. Sie entwickelten C2C als Reaktion auf die zunehmende Knappheit von Rohstoffen wie Kupfer, Aluminium, Stahl und Kunststoff und auf die von der Baubranche produzierten Berge an Abfall. Ihr Konzept zielt auf Materialkreisläufe nach dem Vorbild der Natur ab. Das heißt: Verbaute Materialien müssen nach einem Rückbau nicht mehr entsorgt, sondern können – ohne Qualitätsverlust – wiederverwertet werden. Voraussetzung ist, dass sie dank innovativer Verbindungstechniken sortenrein trennbar sind und keine Schadstoffe enthalten, bei der Verwendung also bauökologische Aspekte zur Geltung kommen. Ein Material Passport fungiert als Inventarisierungsinstrument. Der Bauherr weiß stets, welches Material wo verbaut ist. DS-Plan treibt in enger Zusammenarbeit mit Erfinder Braungart die Methode voran, im Bestreben, mit C2C als wissenschaftlicher Grundlage eine „Circular Economy“ zu etablieren, getragen von erneuerbaren Energien und rezyklierbaren Stoffflüssen.

Gesundheit, Flexibilität und Wertsicherheit sind die Vorteile von C2C, das damit auch seinen klaren wirtschaftlichen Nutzen untermauert. Eine hundertprozentige Umsetzung des Prinzips ist heute zwar noch nicht möglich, wohl aber der Bau von Gebäuden, die von C2C inspiriert sind. Der L-förmige RAG-Neubau nach einem Entwurf des Aachener Büros kadawittfeldarchitektur setzt die C2C-Ideen auf innovative Weise um. Die Fertigstellung ist für 2017 geplant.