Neubau SPIEGEL-Verlag

Spiegelungen mit viermal Gold

Die SPIEGEL-Gruppe hat mit ihrem neuen Hauptsitz auf Hamburgs Ericusspitze einen prominenten Standort im neuen Stadtteil HafenCity bezogen. Der Hauptsitz trägt mit seinem Design eine ganz persönliche und deutliche Signatur.

Bauherr
Robert Vogel GmbH & Co. KG, Hamburg
Architekt
Henning Larsen Architects Kopenhagen, ab HOAI-Phase 5 Höhler+Partner Ingenieure und Architekten Hamburg
Projektlaufzeit
2007–2011

DS-Plan Leistungen

Generalfachplanung, Energiedesign, Fassadentechnik, Bauphysik, Tragwerk, Green-Building-Zertifizierung, Energiemanagement, Green City Development, Bauökologie

Auf einem Sockel aus roten Backsteinen „schwebt“ – in Licht und Transparenz – ein Bauwerk aus Glas, Stahl und Beton, ausgezeichnet mit vier Sternen in Gold des HafenCity-Labels. 

Der neue Hauptsitz der SPIEGEL-Gruppe bietet Platz für 1.100 Mitarbeiter. Die helle und transparente Architektur will die Arbeitsprozesse in allen Bereichen des Verlags optimal unterstützen. Die Einrichtung gewährleistet Arbeitszonen sowohl für die Konzentration als auch für Kommunikation und Vermittlung. Im zentralen Atrium sind die einzelnen Stockwerke über Treppen und Gehbrücken miteinander verbunden, die sich kreuz und quer durch den Raum ziehen. In dem großen, zentralen Fenster des Gebäudes, dem „Fenster zur Stadt“, wird ein aktiver Dialog zwischen den Aktivitäten des Medienkonzerns und dem urbanen Leben der City geschaffen. 

Das Gebäude bildet eine Art Tor zwischen dem alten Hamburg und dem neuen Stadtteil und schafft einen belebten öffentlichen Stadtraum mit Plätzen und Erholungszonen entlang der Elbe. 

Der Entwurf des SPIEGEL-Hauses basiert auf dem Ziel, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit für alle Mitarbeiter zu schaffen. Alle sollen hier spüren, Teil eines besonderen Unternehmens zu sein. 

Fassade:
Ressourcenschonende Holz-Alu-Doppelfassade
3-fach-Verglasung und optimaler Wärmeschutz
100 % Vorfertigung

Raumklima:
Steuerbare thermisch aktive Bauteile
Schichtlüftung
Thermische Steckdose

Material- und Ressourceneinsatz:
Gesundheitsverträgliche Materialien
Primärenergetisch günstige Materialien
FSC-zertifiziertes Holz

Energiekonzeption:
Geothermie mit Wärmepumpe
Fernwärme
Primärenergieaufwand < 100 kWh/m²a

Regenerative Quellen:
Natürliche Lüftung
Nachtkühlung
Geothermie
Photovoltaik

Nachweise:
HafenCity-Label 4 Sterne Gold
Energiemonitoring für 2 Betriebsjahre

Die Ausführung von DS-Plan
  • Fassade

    Bei der kompakt doppelschaligen Fassade zeigt die äußere Fassade den von den Architekten gewünschten Ganzglas-Ausdruck. Die innere Fassade ist aus energetischen Gründen zu 35 Prozent geschlossen. 

    Die tragende Aluminium-Doppelfassade ist vollelementiert und hat einen 100-prozentigen Vorfertigungsgrad. Die Holzfenster der inneren Fassade werden in die statisch tragende Aluminiumfassade konstruktiv einfach nur eingeklipst. Die Holzkonzeption der inneren Fassade führt zu einem um circa 50 Prozent reduzierten Primärenergieeinsatz im Vergleich zu einer Aluminiumfassade. Eine Goldmedaille des HafenCity-Labels wird in der Kategorie 3, umweltschonende Baustoffe, durch die Integration von Holz in der inneren Fassade erreicht.

    Die Gesamtfassade weist mit ca. Ucw 0,9 W/m2K einen sehr guten winterlichen Wärmeschutz auf. Der moderate Fensterflächenanteil und der optimale sommerliche und winterliche Wärmeschutz der Fassade führen zu einem niedrigen Energiebedarf für Heizen und Kühlen.

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Durch die sehr gute Fassade kann über thermoaktive Decken geheizt und gekühlt werden. Zur individuellen Raumregelung werden zusätzlich Heiz-/Kühldecken fassadennah angeordnet, die zudem einen Großteil der Raumakustik leisten. Die raumtemperaturnahen Betriebstemperaturen führen zu einer hohen thermischen Behaglichkeit. Gleichzeitig ist über die transparente Fassade eine sehr gute Tageslichtversorgung gewährleistet. Die Beleuchtung in den Büros wird über Präsenzmelder und Tageslichtsensoren gesteuert. 

    Der konsequente Einsatz von gesundheitsverträglichen Materialien in Kombination mit dem maschinellen Schichtlüftungskonzept führt zu einem deutlich geringeren Lüftungsaufwand bei gleichzeitig besserer Luftqualität. 

    Zur Wärme- und Kälteversorgung dient eine Geothermieanlage mit 77 Erdsonden und 110 Energiepfählen. Die Spitzenlast wird über Fernwärme abgedeckt.

    Mit der Fotovoltaikanlage auf dem Dach wird ein Primärenergiebedarf für Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten von 100 kWh/m2a erreicht.

  • Green Building – HafenCity-Label

    Das Gebäude ist mit der höchsten Auszeichnung der HafenCity, dem Umweltzeichen Gold, zertifiziert.

    Kategorie 1 Energieaufwand: Der Primärenergiebedarf für Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten liegt bei 100 kWh/m2a. Bewertung: Gold.

    Kategorie 2 Umgang mit den öffentlichen Ressourcen: Zwei offene Plätze bilden attraktive Aufenthaltsorte. Durch Regenwasser, wassersparende Armaturen sowie wasserlose Urinale wird der Wasserverbrauch deutlich reduziert. Bewertung: Gold.

    Kategorie 3: Umweltfreundliche Baumaterialien. Es wurde bewusst auf den Einsatz von tropischen Hölzern, Giftstoffen etc. verzichtet und der Einsatz von Lösemittel reduziert. Bewertung: Silber.

    Kategorie 4: Gesundheit und Behaglichkeit. Grenzwerte für Ausdünstungen von flüchtigen Lösungsmitteln und anderen chemischen Substanzen werden eingehalten. Bewertung: Gold.

    Kategorie 5 Umweltfreundlicher Betrieb: Mit dem Facility Management wurde ein umweltfreundlicher Betrieb entwickelt. Zudem waren Sicherheit und Gesundheit auf der Baustelle zentrale Forderungen. Bewertung: Gold.

  • Facility Management

    Erklärtes Ziel war es, von Planungsbeginn an alle betriebs- und nutzerrelevanten Themen zu integrieren und wie einen roten Faden im gesamten Projekt erkennbar werden zu lassen. Zum Einstieg in die am Facility Management (FM) beziehungsweise am Lebenszyklus der Immobilie orientierte Planung werden die Anforderungen der Nutzer und des künftigen Immobilienbetriebs aufgenommen. 

    Mittels der am Grundriss ausgerichteten Visualisierungstechnik werden FM-Checks zyklisch über die einzelnen Projektphasen vorgenommen. Die Ergebnisse der Planungsoptimierung und die Visualisierung der jeweiligen Immobilienprozesse waren die Basis für eine zyklisch fortgeschriebene Betriebskostenberechnung. Serviceabhängige und sehr personalintensive Kostenarten wie Empfangsservice oder Technisches Gebäudemanagement werden über diverse Personalkonzepte simuliert und gebäudespezifisch optimiert. Niedrige Betriebskosten bestätigen den frühzeitigen FM-Ansatz.

    Der optimale Planungs- und Bauprozess wurde durch die Inbetriebnahmephase und Einregulierungsphase des Gebäudes gekrönt. Die Kombination von Organisationsprozessen, innovativen technischen Konzepten und das Management-Know-how, ein komplexes Gebäude fristgerecht der Nutzung zu übergeben, war die Aufgabe der DS-Plan. Grundvoraussetzung war ein fach- und gewerkeübergreifendes DS-Plan-Team, welches in allen Planungs- und Realisierungsphasen Teil des Projektes war und die Interessen des Bauherrn sicherstellte.

  • Energiemanagement/Energiemonitoring

    Eine hochwertige Gebäudeausrüstung ist meist noch kein Garant für einen nachhaltigen Betrieb. Erst ein durchdachtes und abgestimmtes Energie- und Betriebsmonitoring erlaubt es, Betriebsfehler und Fehlfunktionen frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Die Betriebsoptimierung kann mit dem Testen der Regel- und Steuerfunktionen bereits vor der Inbetriebnahme mithilfe der Emulation beginnen. 

    Ein Energie- und Betriebsmonitoring hat somit als primäres Ziel, die Anlage in den Regelbetrieb zu überführen, einen effizienten Betrieb zu gewährleisten und die Betriebsparameter kontinuierlich zu verbessern. 

    In Summe konnten bereits nach der Auswertung der Messwerte aus dem ersten Halbjahr 2012 Vorschläge zur Betriebsoptimierung abgeleitet werden. Nach deren Umsetzung ist eine Einsparung von 22 Prozent zu erwarten. Damit liegt der Primärenergieverbrauch des Gebäudes bereits nach der ersten Optimierungsphase beim Zielwert von 100 kWh/m2a.

Die Bildrechte der im Artikel verwendeten Fotos liegen bei: "© Robert Vogel GmbH & Co. KG Hamburg, Visualisierungen: on3-studio Hamburg, Landschaftsarchitekten WES & Partner Hamburg, Henning Larsen Achitects Kopenhagen"