Neubau Roche Bau 1

Hoch und elegant

Roche ist ein führendes, forschungsorientiertes Unternehmen im Pharma- und Diagnostikbereich. Das weltweit größte Biotech-Unternehmen errichtet an seinem Hauptsitz in Basel ein neues Bürogebäude für 2.000 Mitarbeiter.

Bauherr
Roche, Basel
Architekt
Herzog & De Meuron, Basel
Projektlaufzeit
2009 – 2014

DS-Plan Leistungen

Generalfachplanung, Energiedesign, Fassadentechnik, Bauphysik, Tragwerk, Green-Building-Zertifizierung, Energiemanagement, Green City Development, Bauökologie

Durch Zusammenführung der über die ganze Stadt Basel verteilten Büros soll die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bereiche – Forschung, Entwicklung, Produktion und Marketing – effizienter werden. 

Mit dem Bürogebäude Bau 1 bietet Roche seinen Mitarbeitern attraktive Arbeitsplätze mit hervorragender Infrastruktur. Als markantes Erscheinungsbild für die Stadt und das Unternehmen muss das Gebäude zum einen hohen architektonischen Ansprüchen genügen. Zum anderen soll es wegweisend sein für einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Betrieb. Das von den Architekten Herzog & de Meuron entworfene Gebäude führt das Architekturerbe von Roche fort. Es fügt sich harmonisch in die bestehende Architektur ein und erscheint im Stadtbild als schlanker Baukörper.

Die klare Form und die horizontal umlaufenden Brüstungsbänder spiegeln Merkmale der früheren Bauten wider. Sie unterstützen durch den reduzierten Glasflächenanteil zudem das Raumklima und die Nachhaltigkeit. Das nach oben hin verjüngende Gebäude ist 178 Meter hoch und besitzt 41 Geschosse mit einer Nutzfläche von 76.000 Quadratmeter. Das bebaubare Lichtraumprofil ist Grundlage für die klare, regelmäßig abgetreppte Form, die nach Westen in 2er Stufen terrassiert und im Osten durch feinere, regelmäßige 3er Stufen beinahe senkrecht verläuft. 

Fassade:
Closed Cavity Fassade
3-fach-Verglasung und optimaler Wärmeschutz
100 % Vorfertigung

Raumklima:
Heiz-/Kühldecke
Schichtlüftung

Material- und Ressourceneinsatz:
Gesundheitsverträgliche Materialien
Primärenergetisch günstige Materialien
FSC-zertifiziertes Holz

Energiekonzeption:
Abwärme aus Industrieareal
Brunnenwasser für Kühlung
Primärenergieaufwand  80 kWh/m²a

Regenerative Quellen:
Brunnenwasser

Nachweise:
MINERGIE

Die Ausführung von DS-Plan
  • Fassade

    Ein hoher thermischer Komfort in Hochhäusern ist nur möglich, wenn die Fassade teilweise geschlossen und der Sonnenschutz außenliegend und windstabil angeordnet wird. Hinterlüftete, doppelschalige Fassaden haben den Nachteil, dass die Scheiben des Zwischenraums regelmäßig gereinigt und mit öffenbaren Flügeln zugänglich gemacht werden müssen. Dieser erhöhte Unterhaltsaufwand führte zu einer Weiterentwicklung, der Closed Cavity Fassade (CCF).

    Bei der CCF wird der Zwischenraum dicht ausgeführt. Dadurch kann auf die Reinigung verzichtet werden. Da sich trotz einem Sonnenschutz mit hohem Reflexionsgrad die Temperatur im Fassadenzwischenraum über die einer belüfteten doppelschaligen Fassade erhöht, wird die innere Fassade mit einer gut wärmegedämmten Dreifachverglasung ausgestattet.

    Die CCF benötigt zudem eine minimale Durchspülung von trockener Luft, um den Taupunkt im Fassadenzwischenraum soweit abzusenken, dass es zu keiner Kondensatbildung und der damit einhergehenden Verschmutzung kommt. 

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Der Bau 1 soll für die zukünftige energetische Entwicklung auf dem Areal als Leitbild dienen. Dieses untergliedert sich in drei Themenblöcke: Minimierung des Energiebedarfs, ökologische Energieversorgung und energieeffizienter Betrieb.

    Das Raumklimakonzept besteht aus der sehr gut wärmegedämmten Fassade und einem Flächenheiz-/kühlsystem in Kombination mit einer Quelllüftung. Für die Minimierung des elektrischen Energiebedarfs der Beleuchtung werden energieeffiziente Leuchtmittel eingesetzt. Zusätzlich wird die Tageslichtnutzung durch eine Konstantlichtregelung und einen Sonnenschutz mit nachgeführten Lamellenwinkeln optimiert. Bei Abwesenheit werden die Beleuchtung und die Lüftung pro Arbeitsplatz abgeschaltet. Die niederen Heizkreis- und hohen Kühlkreistemperaturen der Heiz-/Kühldecke ermöglichen den Einsatz von Arealabwärme und die Nutzung von Grundwasser aus Brunnen. Auch alle anderen Verbraucher wie Lüftungs- und Klimaanlagen und EDV-Räume werden auf dieses Temperaturniveau ausgelegt.

  • Facility Management

    Erklärtes Ziel war es, von Planungsbeginn an alle betriebs- und nutzerrelevanten Themen zu integrieren und wie einen roten Faden im gesamten Projekt erkennbar werden zu lassen. Zum Einstieg in die am Facility Management (FM) beziehungsweise am Lebenszyklus der Immobilie orientierte Planung, werden die Anforderungen der Nutzer und des künftigen Immobilienbetriebs aufgenommen. 

    Mittels der am Grundriss ausgerichteten Visualisierungstechnik werden FM-Checks zyklisch über die einzelnen Projektphasen vorgenommen. Die Ergebnisse der Planungsoptimierung und die Visualisierung der jeweiligen Immobilienprozesse waren die Basis für eine zyklisch fortgeschriebene Betriebskostenberechnung. Serviceabhängige und sehr personalintensive Kostenarten wie etwa Empfangsservice oder Technisches Gebäudemanagement, werden über diverse Personalkonzepte simuliert und gebäudespezifisch optimiert. Niedrige Betriebskosten bestätigen den frühzeitigen FM-Ansatz und sind der Garant für das Erreichen der gesteckten Projektziele und der zukünftigen Nutzerzufriedenheit.

  • Energiemanagement/Energiemonitoring

    Eine Betriebsüberwachung und ein Aufzeichnen der Energieströme sind Voraussetzungen für einen energieeffizienten Gebäudebetrieb. Dazu wird ein detailliertes Messkonzept aufgestellt. In Verbindung mit einem Energiemanagementsystem lassen sich fehlerhafte Betriebsweisen schnell analysieren. Das Monitoring erleichtert zudem die Inbetriebnahme und den Nachweis der geforderten Leistungskennwerte. Insbesondere bei den großen Verbrauchern wie Klimaanlagen oder Kühlräume werden die Leistungskennwerte in der Ausschreibung definiert und bei signifikanter Unterschreitung mit Geldstrafen belegt.

    Der Energiebedarf wurde mit Gebäudesimulation berechnet und wird zur Optimierung des Betriebs herangezogen. Der berechnete Primärenergiebedarf liegt bei 80 kWh/m²a für Heizen, Kühlen, Lüftung und Beleuchtung. Ziel ist es, dass sich dieser berechnete Wert auch nach Fertigstellung des Gebäudes im Betrieb nachweisen lässt. Hierzu beabsichtigt Roche eine zweijährige Phase für die Überwachung und Optimierung.

  • Modulare Planung

    Im Projekt ist eine größtmögliche Planungsfreiheit für unterschiedliche Bürokonzepte zu erreichen. Diese sollen so flexibel sein, dass geschlossene Zellen- oder Gruppenbüros bis hin zu offenen Bürolandschaften in allen Größen kombinierbar sind. Der Ausbau muss in einer kurzen Umbauzeit mit minimaler Störung für den Betriebsablauf realisiert werden können. Analog der Anlagen- und Prozesstechnik werden deshalb die Bürobereiche modular geplant. Dem Grundriss liegt ein Raster zugrunde, das die kleinstmögliche Unterteilung der Büroflächen abbildet. Für die technische Grundmontage der Büromodule werden dem Gebäuderaster folgend die Gewerke Heizung, Kälte, Lüftung und Elektro in Baugruppen erstellt.

    Die konsequente Durchführung der modularen Planung ermöglicht es, alle Geschosse mit einigen wenigen Baugruppen zu erschließen. Die hohen Stückzahlen ermöglichen einen hohen Vorfertigungsgrad. Dies führt zu einer signifikanten Qualitätssteigerung und Verkürzung der Montagezeit auf der Baustelle.

Die Bildrechte der im Artikel verwendeten Fotos liegen bei: © Herzog & de Meuron