Drees & Sommer, Bürogebäude Obere Waldplätze 11

Firmenzentrale

Im Jahr 2000 hat DS-Plan eine Art Prototyp eines Green Buildings geplant und gebaut. Seit Anfang 2002 arbeitet DS-Plan in dem Niedrigenergiegebäude mit 3-fach-Verglasung, Bauteiltemperierung, Randstreifentemperierung, Geothermie und Wärmepumpe. Mittlerweile bestätigen zwei DGNB-Zertifikate in Gold für Neubau und Bestandsbauten die nachhaltige Konzeption.

Bauherr
Grundstückgesellschaft II, Stuttgart
Architekt
PSK Architekten, Stuttgart
Projektlaufzeit
2000 – 2002

DS-Plan Leistungen

Generalfachplanung, Energiedesign, Fassadentechnik, Bauphysik, Tragwerk, Green-Building-Zertifizierung, Energiemanagement

Die Planung der Systeme zur Heizung und Kühlung des Gebäudes folgte dem Bedarf der Nutzer – ausgehend von der geplanten Nutzung und einem darauf abgestimmten winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz und einer Fassadentechnik, die minimierte Heiz- und Kühllasten ermöglicht. Auf der Basis dieser Randbedingungen konnten Niedrigtemperaturheiz- sowie Hochtemperaturkühlsysteme entwickelt werden, die eine optimale Nutzenübergabe mit bedarfsgerecht bemessenen Heiz- und Kühlleistungen gewährleisten. Die geringen Übertemperaturen fördern zudem den Einsatz von regenerativen Wärme- und Kälteerzeugungssystemen. Somit wurde für Heizen und Kühlen bei einem niedrigen Gebäudeenergiebedarf auch ein geringer Energieaufwand der Anlagentechnik sichergestellt. Zu den Anlagenfunktionen Heizen und Kühlen war noch das Lüften so zu entwickeln, dass mit minimalem Energieeinsatz der hygienisch erforderliche Außenluftstrom ohne Behaglichkeitseinschränkungen zum Arbeitsplatz geführt wird. Die Messwerte aus den letzten Jahren bestätigen die Aussagen aus der Planung.

Fassade:
3-fach-Verglasung und optimalen Wärmeschutz

Raumklima:
Thermisch aktive Bauteile
Randstreifentemperierung
Natürliche Lüftung
Schichtlüftung

Material- und Ressourceneinsatz:
Gesundheitsverträgliche Materialien
Primärenergetisch günstige Materialien

Energiekonzeption:
Geothermie mit Wärmepumpe
Primärenergieaufwand < 100 kWh/m²a

Regenerative Quellen:
Natürliche Lüftung
Nachtkühlung
Geothermie
Regenwasser

Nachweise:
DGNB Gold Neubau Büro und Verwaltung Version 2009
DGNB Gold Bestand Büro Verwaltung Version 2011
Energiemonitoring für 2 Betriebsjahre

Die Ausführung von DS-Plan
  • Fassade

    Im Projekt wurde im Rahmen eines städtebaulichen Vertrags eine 30-prozentige Unterschreitung des Wärmeschutzes nach der damals gültigen Wärmeschutzverordnung von 1995 gefordert. Analysen haben gezeigt, dass ein ganzheitliches Konzept mit einem noch besserem winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz, Niedrigtemperaturheiz- und Hochtemperaturkühlsystem und einer regenerativen Energieerzeugung mit Geothermie wirtschaftlich sinnvoll ist.

    Daher wurde eine Fassade als Pfosten-Riegel-Konstruktion mit dreifach-Wärmeschutzverglasung (4-8-4-8-4) und thermisch verbessertem Aluminiumrahmen Uw = 1,28 W/m²K entwickelt. Hierzu wurde ein neues Verfahren in der Fenstertechnik zur Herstellung von Steg und Dichtungslippen eingesetzt.

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Die Optimierung der Gebäudehülle hinsichtlich niedriger Heiz- und Kühllasten, passiver Solarenergienutzung, natürlicher Be- und Entlüftung und abgestimmter Konzepte der Raumklimatechnik sowie der Wärme- und Kälteerzeugung wurden im Planungsprozess über gekoppelte Gebäude- und Anlagensimulationen berechnet, analysiert und optimiert.

    Das Nutzenübergabesystem für Heizen und Kühlen besteht aus einem speicherbehafteten Grundlastsystem als thermische Bauteiltemperierung und einem mit wenig Speichermasse schnell reagierenden, oberflächennahen Randstreifenelement. Der Mindestaußenluftstrom wird über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und über neu entwickelte Schlitzluftdurchlässe im Boden in den Raum eingebracht.

    Aufgrund der günstigen geologischen Bedingungen wird eine Konzeption mit monovalenter, geothermisch gestützte Wärmepumpe für die Heizung und einem Wärmetauscher für die direkte Kühlung über das Erdsondenfeld entwickelt.

  • Green Building – Zweimal DGNB Gold

    Das Gebäude ist zweimal mit der höchsten Auszeichnung der DGNB, dem Deutschen Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen, zertifiziert.

    Zum einen wird das Gebäude mit DGNB Gold nach der Version Neubau Büro und Verwaltung 2009 ausgezeichnet – und das sieben Jahre nach der Fertigstellung des Gebäudes als eines der Pilotprojekte der DGNB. 

    Zum anderen wird das Gebäude mit DGNB Gold nach der Version Bestand Büro und Verwaltung 2011 ausgezeichnet.

  • Facility Management

    Erklärtes Ziel war es, von Planungsbeginn an alle betriebs- und nutzerrelevanten Themen zu integrieren und wie einen roten Faden im gesamten Projekt erkennbar werden zu lassen. Zum Einstieg in die am Facility Management (FM) beziehungsweise am Lebenszyklus der Immobilie orientierte Planung, wurden die Anforderungen der Nutzer und des künftigen Immobilienbetriebs aufgenommen. 

    Mittels der am Grundriss ausgerichteten Visualisierungstechnik wurden FM-Checks zyklisch über die einzelnen Projektphasen vorgenommen und somit das Optimum der Planung für die zukünftige Betriebsphase sichergestellt. Die Ergebnisse der Planungsoptimierung und die Visualisierung der jeweiligen Immobilienprozesse waren die Basis für eine zyklisch fortgeschriebene Betriebskostenberechnung. Niedrige Betriebskosten bestätigen den frühzeitigen FM-Ansatz. 

    Darüber hinaus hat die Green-Building-Zertifizierung nach DGNB Bestand 2012 mit dem Ergebnis „Gold“ bewiesen, dass das Gebäude trotz seines „Alters“ noch heute State of the Art istund damals innovativ und wirtschaftlich geplant und im Nachgang kontinuierlich nachhaltig betrieben wurde.

  • Energiemanagement/Energiemonitoring

    Monitoring und Betriebsoptimierung wurden durch DS-Plan und die Universität Stuttgart durchgeführt. Die Planungswerte haben sich im Betrieb bestätigt. Der gemessene, gradtagsbereinigte Primärenergieverbrauch für die Anlagen zur Raumkonditionierung liegt nur circa fünf bis zehn Prozent über dem simulierten Bedarf. Es hat sich während der 1,5-jährigen Betriebsbegleitung gezeigt, dass das Simulationsmodell auch sehr gut in der Betriebsoptimierung genutzt werden kann, um Veränderungen vor allem aus der Gebäudenutzung und des Außenklimas auf den Energieverbrauch darzustellen. 

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