Nycomed

Lowtech statt Hightech – und trotzdem effizient

In Konstanz steht das sogenannte Lammellenhaus. Namensgebendes Element der Architektur ist die elegante, neuartige Glaslamellenfassade, die wie ein zarter Schleier für Sonnenschutz sorgt und dennoch den Blick ungestört schweifen lässt. Der Panoramablick über die Bodenseelandschaft ist in die Arbeitswelt und den Arbeitsprozess gestalterisch einbezogen und gehört den Mitarbeitern.

Bauherr
Nycomed GmbH, Konstanz
Architekt/Generalplaner
Petzinka Pink Architekten, Düsseldorf
Projektlaufzeit
2003 – 2008

DS-Plan Leistungen

Energiedesign, Generalfachplanung, Fassadentechnik, Bauphysik, Energiemanagement

Am Anfang steht oft der Wettbewerb. Mit unserer professionellen Wettbewerbsunterstützung haben wir Petzinka Pink Technologische Architektur in der Überarbeitungsphase ganzheitlich unterstützt. 

Die gemeinsame innovative Neuentwicklung eines zu jeder Zeit durchsichtigen hocheffizienten Sonnenschutzes war die eigentliche Engineering-Herausforderung. Hierdurch wurde das Projekt „freier Blick zum Bodensee“ auch bei voller Sonnenschutzstellung sehr bekannt. 

Neben der innovativen Fassade mit dem der Sonne nachfahrenden, hocheffektiven und trotzdem transparenten Sonnenschutz bietet auch das Raumklimasystem einige Alleinstellungsmerkmale bei höchstem Komfort. Das Raumklimakonzept ist eine Kombination aus thermisch aktivierten Decken mit Strahlungsheizung und -kühlung und einen komplett neu entwickelten, flexiblen, dezentralen und dem Bedarf anpassbaren Fassadenlüftungsgerät.

Im Gesamtergebnis entstand ein transparentes Bürogebäude mit einem Primärenergieaufwand von 90 KWh/m2.

Fassade:
3-fach-Verglasung und optimalen Wärmeschutz
Sonnenschutz mit vertikalen, drehbaren Glaslamellen

Raumklima:
Dezentrales Fassadenlüftungsgerät
Thermisch aktive Bauteile
Natürliche Lüftung

Energiekonzeption:
Holzpellet-Heizanlage
Primärenergieaufwand < 90 kWh/m²a

Regenerative Quellen:
Natürliche Lüftung
Nachtkühlung
Holzpellets

Die Ausführung von DS-Plan
  • Fassade

    Der Sonnenschutz der Büroräume besteht aus vertikalen, drehbaren Glaslamellen, die 1,35 Meter breit und 3,5 Meter hoch sind. Vorteil dieses Sonnenschutzes ist es, dass ein direkter Außenbezug zu nahezu allen Zeitpunkten am Tag vorhanden ist, da die Lamellen nur kurzzeitig parallel zu Fassade stehen. Eine Sonnenschutz-Variante sah vor, ein Aluminiumstreckmetall zwischen die zwei Einzelscheiben der Glaslamelle einzulaminieren. Als Streckmetall wurden solche Profile ausgesucht, die eine leichte Neigung besaßen und somit den für die Sonnenschutzwirkung vorteilhaften Schildmützeneffekt ergaben. 

    Das selbst gesteckte Planungsziel einen g-Wert von 0,15 wurde mit der Entwicklung eines Streckmetalls mit Schirmmützeneffekt erreicht. Die tatsächliche Ausführung erfolgte mit einer hochselektiven Sonnenschutzbeschichtung und einem Zweifach-Siebdruck mit versetzten Lochreihen. Hiermit wurde erstmals ein ebenfalls sehr guter g-Wert von 0,20 erreicht. 

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Für die Büros wurde ein intergriertes Fassaden-Raumklimakonzept entwickelt. Die Fassade hat mit der dreifach-Verglasung und den neu entwickelten Lamellen sowie einen moderaten Fensterflächenanteil einen optimalen winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz. Die geschlossen Fassadenelemente nehmen zudem die neu entwickelten dezentralen Lüftungsgeräte auf. Die Lüftungsgeräte sind bündig in die Fassade integriert und bieten Zu- und Abluft sowie eine effiziente Wärmerückgewinnung.

    Das Beste daran ist: Wenn der Nutzer in der langen Übergangszeit keine Lüftung möchte, schaltet er diese einfach aus. Geheizt und gekühlt wird über thermisch aktivierte Decken. Die Wärme wird über eine Holzpelletanlage erzeugt, die circa 1.750 Tonnen an CO2-Emissionen jährlich eingespart. Die Kälte wird durch Kältemaschinen auf Hochtemperaturniveau und mittels hybriden Rückkühlern erzielt. Da die Bauteilkühlung nur nachts betrieben wird, können über 70 Prozent der Kälte ausschließlich aus der kühlen Nachtluft erzeugt werden.

Die Bildrechte der im Artikel verwendeten Fotos liegen bei: © Taufik Kenan