Landesbank Baden-Württemberg LBBW

Hoch und effizient

Die neuen Häuser der Landesbank Baden-Württemberg bilden den Auftakt der städtebaulichen Entwicklungen für das Projekt Stuttgart 21. Auf etwa 58.000 Quadratmetern haben rund 2.000 Mitarbeiter in direkter Nähe zum bestehenden LBBW-Gebäude ihren Arbeitsplatz.

Bauherr
Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
Architekt
Wöhr Mieslinger Architekten, München, Stuttgart
Projektlaufzeit
2000 – 2004

DS-Plan Leistungen

Generalfachplanung, Energiedesign, Fassadentechnik, Bauphysik, Energiemanagement

Ein wichtiges Ziel war hierbei die Anforderungen des „Gütesiegels Energie“ der Stadt Stuttgart in der Planung, im Bau und im späteren Betrieb einzuhalten.

Mit dem Entwurf schaffen die Architekten Wöhr Mieslinger im Rahmen von Stuttgart 21 ein neues, belebtes und lebendiges Stadtquartier als funktionierenden Baustein der Innenstadt. Der Entwurf sieht vier Einzelgebäude vor, die dem städtebaulichen Bild von Block und Straße folgen. Zwei Gebäude sind durch ein gemeinsames Dach verbunden. Die zwei weiteren Gebäude sind ein gläserner 18-geschossiger Büroturm mit einem Sockelbau und ein im Grundriss dreieckiger, 60 Meter hoher Büroturm, mit weitgeschossigen Räumen in der transparenten Spitze. Er hat eine doppelschalige Fassade.

Flexible Grundrisse, helle Räume und warme, freundliche Farben erzeugen Arbeitsplätze von hoher Qualität. Das Energiekonzept erfüllt trotz der offenen und transparenten Arbeitswelt mit ihren großen Glasflächen die Vorgaben des Gütesiegels der Stadt Stuttgart – sowohl ökologisch als auch ökonomisch.

Fassade:
Ressourcenschonende Holz-Alu-Doppelfassade
3-fach-Verglasung und optimaler Wärmeschutz

Raumklima:
Heiz-/Kühldecken

Energiekonzeption:
Fernwärme
Solarthermie
Primärenergieaufwand  120 kWh/m²a

Regenerative Quellen:
Natürliche Lüftung
Solarthermie
Regenwasser

Nachweise:
Gütesiegel Energie der Stadt Stuttgart
Energiemonitoring für zwei Betriebsjahre

Die Ausführung von DS-Plan
  • Fassade und Bauphysik

    Die doppelschalige Fassade des 18-geschossigen Büroturms ist eine filigrane Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion mit 3-fach Verglasung als innere Hülle. Die Außenhaut bildet eine Stahl-Glas-Fassade.   

    Die Gesamtfassade weist mit etwa Ucw 0,9 W/m2K einen sehr guten winterlichen Wärmeschutz auf. Der im Fassadenzwischenraum liegende effektive Sonnenschutz ist auch bei höheren Windgeschwindigkeiten stabil, wodurch vor allem im Sommer ein optimaler Sonnenschutz gegeben ist. Die obersten Lamellen sind horizontal ausgerichtet und unterstützen die Tageslichtausleuchtung. Die Steuerung erfolgt raum- bzw. fassadenweise und berücksichtigt die Verschattung durch die umliegende Bebauung. Der optimale sommerliche und winterliche Wärmeschutz der Fassade führt zu einem niedrigen Energiebedarf für Heizen und Kühlen. 

    Das charakteristische Merkmal des Sockelbaus sind die horizontal umlaufenden Fassadenbänder aus weiß glasierten Baukeramikplatten.

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Durch die sehr gute Fassade kann über Heiz-/Kühldecken geheizt und gekühlt werden, die zudem einen Großteil der Raumakustik leisten. Auf Heizkörper vor der Fassade kann verzichtet werden. Die raumtemperaturnahen Betriebstemperaturen führen zu einer hohen thermischen Behaglichkeit. Gleichzeitig ist über die transparente Fassade eine sehr gute Tageslichtversorgung gewährleistet. 

    Die Luftverteilung ist so konzipiert, dass die maschinelle Lüftung in Büros mit zu öffnenden Fenstern in den Übergangsjahreszeiten abgeschaltet werden kann. Selbst im Hochhaus können die Räume aufgrund der doppelschaligen Konzeption bis zu 70 Prozent des Jahres natürlich belüftet werden. Auf Basis des städtebaulichen Vertrages wird mit Fernwärme geheizt. Die Konzeption beinhaltet weiterhin eine thermische Solaranlage mit einer Kollektorfläche von 350 Quadratmetern, die für die Lufterwärmung und die Trinkwassererwärmung eingesetzt wird, sowie eine Nutzung des Regenwassers für die Außenanlagenbewässerung.

  • Gütesiegel der Stadt Stuttgart

    Das „Gütesiegel Energie“ ist ein Vorläufer der Green-Building-Zertifikate und besteht aus zwei Teilen, dem „Gütesiegel Energie für Gebäudeplanung und Bau“ und dem „Gütesiegel Energie für den Gebäudebetrieb“. Der Nutzen für die Teilnehmer ist einerseits ideell, andererseits auch ökonomisch. Ideell, als aktiver und sinnvoller Beitrag zur Schonung von Ressourcen und Umwelt. Ökonomisch, da die Umsetzung und Erfüllung der Kriterien für das Gütesiegel Energie eine aktive Qualitätssicherung in Planung, Bau und Betrieb der Gebäude sowie die Senkung der Betriebskosten mit sich bringt. Das Gütesiegel behandelt ganzheitlich die Gebäudehülle, die Heizung, die Lüftung, die Kühlung und die Beleuchtung.

  • Energiemanagement/Energiemonitoring

    Um den Anforderungen des Gütesiegels beim Bau und Betrieb gerecht zu werden, wurden diverse neue Werkzeuge entwickelt, mit denen die Qualitätssicherung in der Inbetriebnahme und im späteren Betrieb auf ein neues Niveau gehoben werden. Die Ausführungsqualität der Fassade wurde sowohl einer stichprobenartigen Luftdichtigkeits-überprüfung wie auch einer vollständigen Infrarotthermografie unterzogen. Die Simulationsmodelle aus der Planung werden zur Überprüfung der Mess-, Steuer- und Regelungsfunktionen vor Einbau der DDC-Geräte auf der Baustelle eingesetzt.

    Man ist somit in der Lage, Fehlfunktionen zu erkennen, bevor sie im späteren Betrieb zu Ärger, mehr Energieverbrauch oder unbehaglichen Raumzuständen führen. In konsequenter Fortführung werden diese Simulationsmodelle als Referenz für die nachfolgende Betriebsoptimierung eingesetzt. Die Simulationsmodelle bilden hierbei eine Art Idealbetrieb ab. Durch den Vergleich des realen Betriebs mit dem Idealbetrieb lassen sich Optimierungspotenziale herausarbeiten, die bei den üblich verwendeten Systemen nicht möglich waren.

  • Facility Management

    Nachhaltige Vorgaben für ein „Green Building“ bzw. ein nachhaltiges Gebäude zu machen ist das eine. Ein nachhaltiges Energiemanagement- und Facility-Management-Konzept von der Planung über den Bau bis in den Betrieb (Green FM) zu erarbeiten und für die Betreiberorganisation bindend vorzugeben ist das andere. Das FM hat schon in einer sehr frühen Projektphase eine Rolle gespielt: planungs- und baubegleitend die FM-Prozesse zu optimieren, die Betriebskosten und Lebenszykluskosten permanent im Blick zu haben sowie einen wirtschaftlichen und effizienten Betrieb baulich, technisch und organisatorisch zu planen und umzusetzen, waren das Ziel und das Ergebnis des Projektes.

    Das Aufsetzen einer gerichtsfesten FM-Betreiberorganisation, das Beschreiben der FM-Services mit sämtlichen Service Level Agreements und Key Performance Indikatoren und das erfolgreiche Umsetzen des Ausschreibungs- und Vergabeprozesses sämtlicher für den Betrieb relevanter Dienstleistungen waren Aufgabe der DS-Plan.

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