Jahrhunderthalle

Montagehalle für Kunst

130 Meter lang ist die Jahrhunderthalle. Sie wurde kurz nach der Jahrhundertwende von Düsseldorf nach Bochum verlagert und früher als Energiezentrale genutzt. Ziel des Architekten war es, den Charakter der Hallen so weit wie möglich unberührt zu belassen. Es entstand eine Spielfläche mit vier zusammenhängenden Hallen, die das Bild einer „Montagehalle für Kunst“ eindringlich vor Augen führt.

Bauherr
Kultur Ruhr GmbH, Gelsenkirchen LEG, Landesentwicklungsgesellschaft NRW GmbH, Dortmund
Architekt
Petzinka Pink Architekten, Düsseldorf
Projektlaufzeit
2001 – 2003

DS-Plan Leistungen

Fassadentechnik, Energiedesign, Bauphysik, Revitalisierung

Zwei Neubauten ergänzen die alten Hallen und erfüllen die komplexen Anforderungen der Ruhr Triennale. Mit signifikanten Tragstrukturen empfängt das breite Vordach der Südspange die Besucher und leitet in ein großzügiges Foyer, das sich ebenerdig über die gesamte Hallenlänge erstreckt. Die eingestellte Galerieebene erreichen die Zuschauer über Freitreppen und Aufzüge. Von dort eröffnen sich sowohl eindrucksvolle Einblicke auf die Spielstätten als auch Ausblicke auf die teils neu gestaltete, teils ursprünglich belassene Parklandschaft. Logistisch optimal angebunden liegt die Hofspange an der nördlichen Hallenseite mit Aufenthalts- und Proberäumen für Musiker und Darsteller. Zentral gelegen sind hier die Garderoben der Künstler, die so auf kurzen Wegen die unterschiedlichen Hallen und Spielstätten erreichen können. In den alten Hallengewölben des Untergeschosses finden sich ausreichend Raum für weitere Nebennutzungen sowie technische Betriebs- und Lagerräume.

Fassade:
Leichte Fassadekonstruktionen mit transparentem Makrolondach
Denkmalschutz innen und außen

Raumklima:
Fußbodenheizung und Fußbodenkühlung
Ausschließlich natürliche Schichtlüftung

Energiekonzeption:
Abwärmenutzung mit Wärmepumpe

Regenerative Quellen:
Natürliche Lüftung
Nachtkühlung
Abwärmenutzung eines Abkühlbeckens eines Industrieprozesses

Bauphysik:
Bühnenreflektoren, Schallschirme sorgen für einen perfekten Klang

Die Ausführung von DS-Plan
  • Energiedesign

    Aufgrund des Denkmalschutzes durfte das Gebäude nicht gedämmt werden, daher wurde ein Konzept erarbeitet, mit dem von Mai bis Oktober angenehme Aufenthaltsbedingungen garantiert werden konnten. Hierzu wurde die Gebäudehülle abgedichtet und ein natürliches Lüftungskonzept entwickelt. Ergänzend hierzu wurde der Fußboden mit einer Fußbodenheizung und -kühlung ausgestattet, um an kalten Tagen kalte Füße zu vermeiden und an warmen Tagen angenehm zu kühlen. Durch dieses Raumklimakonzept konnte auf eine aufwändige mechanische Lüftung der verzichtet werden. 

    Die Wärmeerzeugung wird durch eine Abwärmenutzung mit Wärmepumpe eines angrenzenden Prozesswasser-Rückkühlteiches sichergestellt. Aufgrund der ganzjährigen Temperatur von über zehn Grad Celsius erreicht man für die Beheizung der Fußbodenheizung sehr hohe Arbeitszahlen. Heizen ist daher fast kostenlos. Die Kühlung des Fußbodens erfolgt nachts durch freie Rückkühlung bzw. während der häufigen Abendveranstaltungen ebenfalls mit kühler Nachtluft.

  • Bauphysik

    Das extreme Volumen der Hallen und die Beschaffenheit der Oberflächenmaterialien haben massiven Einfluss auf die Nachhallzeiten. Mit Simulationsprogrammen wurde der gezielte Einsatz von Bühnenreflektoren, Schallschirmen und Absorptionsflächen geplant und umgesetzt. Auch die den Raum teilenden Vorhänge unterstützen den akustischen Gesamteindruck und schaffen eine den jeweiligen Vorführungen angepasste Klangwelt.

Die Bildrechte der im Artikel verwendeten Fotos liegen bei: © Petzinka Pink Architekten