Fraport Flugsteig A-Plus

Low-Exergie- und Low-Energie-Flugsteig

Der neue circa 700 Meter lange Flugsteig A-Plus ist eine Erweiterung des Terminal 1 am Flughafen Frankfurt/Main. Er stellt den Schwerpunkt der A380-Abfertigung der Deutschen Lufthansa am Standort Frankfurt dar. Sieben zusätzliche Flugzeugpositionen am Gebäude und drei Vorfeldpositionen erhöhen vor allem die Kapazität für Flugzeuge des Typs A380.

Bauherr
Fraport AG, Frankfurt am Main
Architekt
gmp Meinhard von Gerkan und Jürgen Hillmer, Hamburg
Projektlaufzeit
2006 – 2013

DS-Plan Leistungen

Energiedesign, Energiemanagement, Facility Management

Die Erweiterung wurde auf eine Kapazität von sechs Millionen Passagieren jährlich ausgelegt.

Mit einem ganzheitlichen Ansatz hat die Fraport AG einen Niedrigstenergie-Flugsteig der nächsten Generation gebaut, der durch ganzheitliche und innovative Lösungen circa 10.000 Tonnen CO2 pro Jahr im Vergleich zu heutigen Standardlösungen einspart. 

Fassade:
Optimaler feststehender Sonnenschutz und Sonnenschutzverglasung
Hohe Tageslichtnutzung

Raumklima:
Fassadennahe Fußbodenkühlung
Minimale maschinelle Lüftung
Heizen und Kühlen über Sekundärsysteme

Energiekonzeption:
Adiabate Abluftbefeuchtung
Fernwärme

Regenerative Quellen:
Nachtkühlung
Regenwassernutzung

Nachweise:
Energiemonitoring für 2 Betriebsjahre

Die Ausführung von DS-Plan
  • Fassade

    Im Rahmen der Systemplanung konnte dem Bauherrn aufgezeigt werden, dass entgegen den Standards bei vielen Flughäfen ein außenliegender Sonnenschutz eine erhebliche Energieeinsparung ermöglicht. Aufgrund der Tageslichtnutzung, der freien Durchsicht auf das Flugfeld und den auf Flughäfen typischen hohen Windgeschwindigkeiten ist jedoch kein beweglicher außenliegender Sonnenschutz empfehlenswert. Beim Flugsteig A-Plus wird der außenliegende Sonnenschutz in Form eines feststehenden, circa ein Meter auskragenden Elementes realisiert und so sowohl dem Bedürfnis der freien Sicht als auch den energetischen Anforderungen an ein neues Gebäude mit einer circa 700 Meter langen, verglasten Südfassade gerecht.

    Der feststehende Sonnenschutz, der auf zwei Ebenen pro Etage angeordnet ist, verschattet die Fassade im Sommer und lässt die tiefstehende Wintersonne im Raum zur passiven Solarenergienutzung wirksam werden. Die Teile der Fassade, die nach Süd-Westen und Westen ausgerichtet sind, werden zusätzlich zum Sonnenschutz noch bedruckt, da in diesen Fassadenabschnitten der feststehende Sonnenschutz eine reduzierte Wirkung hat. Mit diesen Maßnahmen konnte der g-Wert der Verglasung auf 0,21 reduziert werden, ohne die Durchsicht wesentlich zu beeinflussen.

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Mit dem außenliegenden feststehenden Sonnenschutz wird der größte Teil der Sonneneinstrahlung abgeschirmt. Damit der Flugsteig durch die solaren Einstrahlungen, die nicht durch den außenliegenden Sonnenschutz abgeschirmt werden können, so wenig wie möglich thermisch belastet wird, ist der Fußboden unmittelbar hinter der Südfassade auf einer Breite von zwei Metern mit einer thermischen Bauteilaktivierung bestückt. Die thermische Bauteilaktivierung absorbiert die Sonneneinstrahlung, bevor sie als Temperaturerhöhung im Raum wirksam wird und reduziert so die Kühllast im Flugsteig erheblich. Die im Boden absorbierte Wärmeeinstrahlung wird über den Wasserkreislauf in der meisten Zeit des Jahres ohne zusätzlichen Energieaufwand gekühlt. 

    Im Flugsteig A-Plus wird so wenig wie möglich Luft behandelt und transportiert. Durch den auf die hygienischen Erfordernisse begrenzten transportierten Luftvolumenstrom ist es im Projekt A-Plus gelungen, rund 50 Prozent des gesamten Kälteleistungsbedarfs des Gebäudes über Sekundärkühlsysteme abzudecken. Dadurch kann ein sogenanntes Low-Exergiekonzept mit Niedrigtemperaturheiz- und Hochtemperaturkühlsystem realisiert werden. Durch den Einsatz der adiabaten Abluftbefeuchtung kann der Kälteleistungsbedarf für die Kühlung der Außenluft halbiert werden.

  • Regenwassernutzung

    Zur Reduzierung des Trinkwasserbedarfs im Projekt A-Plus wird das gesamte Regenwasser der Dachflächen in Zisternen aufgefangen. Auch Regenwasser von Dachflächen des angrenzenden Bestandes wird dorthin eingeleitet. Die Zisternen weisen ein Speichervolumen von rund 2.000 Kubikmeter auf und sind über eine Korrespondenzleitung miteinander verbunden. Das Regenwasser wird über spezielle Filter bereits vor der Einleitung in die Zisternen gereinigt. Motorische Klappen in den Zisternen-Zuläufen und in den Grundleitungsanschlüssen regeln die Befüllung in Abhängigkeit vom Füllungsgrad und verhindern einen Rückstau ins Gebäude.

    Über Druckerhöhungsanlagen wird das Regenwaser in das Brauchwassernetz des Gebäudes eingespeist. Das Regenwasser wird für die Toilettenspülung, die Berieselung der Hybridkühltürme und für die adiabate Abluftbefeuchtung in den Lüftungszentralgeräten genutzt. Durch diese Konzeption können circa 20.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr durch Regenwasser ersetzt werden.

  • Facility Management

    Erklärtes Ziel war es, von Planungsbeginn an alle betriebs- und nutzerrelevanten Themen zu integrieren und wie einen roten Faden im gesamten Projekt erkennbar werden zu lassen. Zum Einstieg in die am Facility Management (FM) beziehungsweise am Lebenszyklus der Immobilie orientierte Planung werden die Anforderungen der Nutzer und des künftigen Immobilienbetriebs aufgenommen. 

    Mittels der am Grundriss ausgerichteten Visualisierungstechnik wurden FM-Checks zyklisch über die einzelnen Projektphasen vorgenommen. Die Ergebnisse der Planungsoptimierung und die Visualisierung der jeweiligen Immobilienprozesse waren die Basis für eine zyklisch fortgeschriebene Betriebskostenberechnung.

  • Energiemanagement/Energiemonitoring

    Mit intelligenten Systemen, die das Zusammenspiel hocheffizienter Einzelkomponenten sinnvoll verknüpfen, werden im Projekt A-Plus 10.000 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber dem baurechtlich zulässigen Wert vermieden. Selbst die Anforderungen der EnEV 2009 können mit dem Konzept von Anfang 2006 noch unterschritten werden. 

    DS-Plan wird das Projekt nach der Inbetriebnahme noch weitere zwei Jahre begleiten. Im Projekt A-Plus wurde bereits in der frühen Planungsphase ein Messkonzept entwickelt, das den Nachweis der Effizienz der Hauptkomponenten und der Anlagen ermöglicht. Darin wurde vorgegeben, dass sowohl Messwerte für Leistungen, Volumenströme und Temperaturen, wie auch aufaddierte Energieverbräuche mit entsprechend kurzen Zeitabständen mitgeschrieben bzw. zentral gespeichert werden müssen. Mit diesen Daten kann die Effizienz der Systeme und Komponenten im betrieblichen Alltag bei unterschiedlichen Lastbedingungen überprüft und mit den Herstellerangaben abgeglichen werden.

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