EULE, Schwäbisch Gmünd

Das Begreifen steht im Mittelpunkt

Zur Landesgartenschau 2014 entstand in Schwäbisch Gmünd die „Wissenswerkstatt Gmünder EULE“ als fester Bestandteil des angrenzenden Jugendparks. Jugendliche werden hier auf spielerische Art an das Thema Technik herangeführt.

Bauherr
Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd 2014 GmbH
Architekt/Generalplaner
Henn Architekten, München
Projektlaufzeit
2012 – 2014

DS-Plan Leistungen

Generalfachplanung, Energiedesign, Bauphysik, Fassadentechnik, Tragwerk

Zwischen zwei Bestandsgebäuden auf einem Sockel aus Stahlbeton ist das Gebäude als effiziente Holzbaukonstruktion konzipiert. In seinem Erscheinungsbild von gestapelten, modularen Containern inspiriert, öffnet sich das Gebäude durch interessante Ein- und Ausblicke den Besuchern. Vor allem die in die unterschiedlichen Himmelsrichtungen orientierte Dachlandschaft bietet abwechslungsreiche Ausblicke auf die Landesgartenschau und die Stadt Schwäbisch Gmünd. 

Neben dem nachwachsenden Rohstoff Holz als Konstruktionsmaterial des Tragwerks tragen eine hocheffektive Fassadenkonstruktion und die konsequente Nutzung von Geothermie zur großen Nachhaltigkeit des Gebäudes bei.

Tragwerk:
Brettschichtholztragwerk mit Holzkassettendecken
Aussteifender Stahlbetonkern
Stahlbetonkellerkasten

Fassade:
3-fach-Verglasung und optimaler Wärmeschutz

Raumklima:
Natürliche Fensterlüftung
Flächenheizung 

Energiekonzeption:
Geothermie-Wärmepumpe
18 Erdsonden, Bohrtiefe max. 40 m

Regenerative Quellen:
Erdwärme
Natürliche Lüftung

Die Ausführung von DS-Plan
  • Tragwerksplanung

    Lediglich das Untergeschoss der „EULE“ und der aufgehende Treppenhausturm des Gebäudes bestehen aus einer konventionellen Stahlbetonkonstruktion. Die tragende Hauptstruktur der Konstruktion ist aus horizontalen, durchlaufenden Brettschichtholzbindern errichtet, die im Wesentlichen auf Brettschichtholzstützen aufgelagert werden. 

    Die Stabilität der Struktur wird über die in den geschlossenen Bereichen der Gebäudefassaden angeordneten, beplankten Holzständerwände sichergestellt. Über diese Wandscheiben werden auch – stellenweise über zusätzlich eingebaute Stahldiagonalen – die bereichsweise vorhandenen Auskragungen des Gebäudes realisiert. 

    Als Deckenscheiben werden vorgefertigte, tragende Holzkastenelemente eingesetzt, die bei einer Spannweite von maximal fünf Meter eine Dicke von 20 Zentimeter besitzen. Auftretende horizontale Belastungen auf das Gebäude, etwa durch Wind, können über die Deckenscheiben zu den vertikalen Wänden des Stahlbetonerschließungskerns geleitet werden. Diese tragen die Lasten über eine elastisch gebettete Bodenplatte in den Baugrund ab.

  • Fassade und Bauphysik

    Unter Verwendung der Holzständerbauweise konnte eine hochwärmegedämmte Gebäudehülle konzipiert werden, die ohne die üblichen Wärmebrücken massiver Tragwerkssysteme auskommt. Die leichte Bauweise ermöglicht eine rasche Erwärmung des Innenraums, was der flexiblen Nutzung des Gebäudes entgegen kommt. 

    Der sommerliche Wärmeschutz wird mit außen liegenden Lamellenraffstores verwirklicht, die eine Überhitzung in der warmen Jahreszeit verhindern. Die verwendeten Holzfensterelemente fügen sich harmonisch ins System ein und unterstützen den angenehmen Raumeindruck der Innenbereiche.

    Besonderer Wert wurde auf die schalltechnische Trennung der unterschiedlichen Arbeits- und Werkstattbereiche gelegt, damit ein paralleles Arbeiten und Lernen möglich ist. Die hierfür notwendigen Schallschutzmaßnahmen wurden gleichermaßen in Holzständerbauweise umgesetzt.

  • Energiedesign und Technische Gebäudeausrüstung

    Die einzelnen Nutzungsbereiche werden über eine Flächenheizung erwärmt. Durch die große Übertragungsfläche dieses Systems ist es möglich, die Systemtemperaturen niedrig zu halten und so optimal auf das Wärmepumpensystem abzustimmen. Bei der Fußbodenheizung wird die Wärme über die gesamte Fußbodenfläche abgegeben. So entsteht ein gleichmäßiges Temperaturbild. Dies führt zu einem optimalen Behaglichkeitsgefühl. Die Nutzräume werden natürlich belüftet, eine maschinelle Lüftung ist nicht erforderlich. 

    Die Fußbodenheizung wird über eine Geothermie-Wärmepumpe mit Wärme versorgt. Über die Wärmepumpe kann mit einem relativ geringen Einsatz von Primärenergie die Umweltenergie Erdwärme gezielt und effizient genutzt werden. 75 Prozent der erforderlichen Wärme wird aus dem Erdsondenfeld entnommen. Dieses System deckt die gesamte Heizlast des Neubaus über das ganze Jahr. 

    Beim Bohren der Erdsonden wurde auf die sensible Kalkschicht der geologischen Gegebenheiten Rücksicht genommen.

Die Bildrechte der im Artikel verwendeten Fotos liegen bei: Henn Architekten München und HGEsch, Blankenberg